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Prioritäten setzen im Unternehmen: Warum weniger Ziele für 2027 mehr bewirken

vor 14 Minuten
4 Min. Lesezeit

Die Jahresplanung steht an. In der Geschäftsleitung liegt eine Liste mit Vorhaben für das neue Jahr: ein neues System einführen, die Abläufe im Verkauf verbessern, ein Team neu aufstellen, ein Angebot ausbauen. Jedes Team hat seine Anliegen eingebracht, jedes Vorhaben ist gut begründet. Gestrichen wird kaum etwas.


Ein paar Monate später sieht dieselbe Liste anders aus. Vieles ist angefangen, wenig ist abgeschlossen. Dieselben Schlüsselpersonen sitzen in fast allen Projekten. In den Sitzungen wird mehr darüber gesprochen, was gerade wichtiger ist, als über die Arbeit selbst.


Das liegt selten an fehlendem Einsatz. Meist ist schlicht zu viel gleichzeitig wichtig.


Ursula Tanner und Hassan Hjaij mit grünem Hintergrund und folgendem Satz: "Wenn alles wichtig ist, was kommt zuerst?"


Was zu viele Prioritäten im Alltag auslösen


Wenn alles Priorität hat, verschwindet die Entscheidung darüber, was zuerst kommt, nicht. Sie wird verschoben, nämlich zu den Mitarbeitenden. Jede und jeder entscheidet täglich selbst, woran gearbeitet wird. Nach bestem Wissen, aber nicht nach demselben Massstab.


Die Folgen zeigen sich an vielen Stellen:


  • Teams arbeiten in unterschiedlicher Reihenfolge an Themen, die voneinander abhängen

  • Schlüsselpersonen werden zwischen Projekten hin- und hergezogen

  • Abstimmungen nehmen zu, weil Ressourcen immer wieder neu verteilt werden müssen

  • Projekte werden unterbrochen und später mit zusätzlichem Aufwand wieder aufgenommen


Diese Reibung kostet Zeit, oft mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Im Beitrag über die grössten Zeitfresser im Unternehmen haben wir beschrieben, wie sich solche kleinen Verluste über den Tag summieren. Unklare Prioritäten gehören zu den häufigsten Ursachen.


Mindestens so stark wirkt sich die Situation auf die Motivation aus. Wer viel arbeitet und trotzdem kaum etwas abschliesst, verliert mit der Zeit Energie. Sichtbarer Fortschritt gehört für viele Menschen zu den stärksten Antrieben im Arbeitsalltag.


Warum Prioritäten setzen im Unternehmen so schwerfällt


Dass zu viele Ziele bremsen, wissen die meisten Geschäftsleitungen. Trotzdem wird die Liste jedes Jahr wieder lang. Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe.


Ein Nein fühlt sich wie ein Verlust an. Jede Idee auf der Liste verspricht etwas: mehr Umsatz, weniger Aufwand, zufriedenere Kund:innen. Etwas zu streichen heisst, auf diesen Nutzen vorerst zu verzichten.


Jedes Vorhaben hat Fürsprecher:innen. Hinter jedem Projekt steht eine Person oder ein Team, das sich dafür einsetzt. Wer streicht, muss diese Diskussion führen. Alles aufzunehmen ist kurzfristig einfacher.


Die verfügbare Kapazität wird überschätzt. In der Planung wird oft so gerechnet, als stünde die ganze Arbeitszeit für neue Vorhaben zur Verfügung. Das Tagesgeschäft, Ausfälle und Unvorhergesehenes beanspruchen jedoch einen grossen Teil davon.


Prioritäten werden nicht als Entscheidung behandelt. Häufig entsteht eine Liste wichtiger Themen, aber keine Reihenfolge. Was gilt, wenn zwei Vorhaben dieselben Personen brauchen, bleibt offen.


Daraus entsteht ein Muster, das wir auch beim Thema Führung als Flaschenhals beobachten: Ist die Reihenfolge nicht geklärt, landen viele Einzelentscheidungen wieder bei der Geschäftsleitung. Sie wird zur Schiedsrichterin im Alltag, statt das Unternehmen zu steuern.



Fünf Hebel für klare Prioritäten


1. Wenige Schwerpunkte bewusst auswählen

Statt einer langen Liste legen Sie wenige Schwerpunkte fest, die im kommenden Jahr wirklich umgesetzt werden. Wie viele es sind, hängt von Grösse und Ressourcen Ihres Unternehmens ab. Entscheidend ist, dass sie neben dem Tagesgeschäft realistisch Platz haben.


2. Eine Reihenfolge festlegen

Klären Sie nicht nur, was wichtig ist, sondern auch, was zuerst kommt. Konkurrieren zwei Vorhaben um dieselben Personen oder dasselbe Budget, ist vorher klar, welches Vorrang hat. So muss nicht jeder Konflikt einzeln entschieden werden.


3. Eine «Nicht-jetzt-Liste» führen

Halten Sie fest, welche Ideen bewusst verschoben werden. Diese Liste nimmt Druck aus der Diskussion: Die Themen sind nicht vergessen, sie haben nur gerade keinen Platz. Bei der nächsten Überprüfung können sie wieder aufgenommen werden.


4. Jedem Schwerpunkt eine Verantwortung geben

Ein Ziel ohne verantwortliche Person bleibt ein Wunsch. Klären Sie für jeden Schwerpunkt, wer ihn vorantreibt, wer entscheidet und wer einbezogen wird. Das entlastet die Geschäftsleitung und macht Fortschritt sichtbar.


5. Prioritäten teilen und regelmässig überprüfen

Prioritäten, die nur in der Geschäftsleitung bekannt sind, wirken im Alltag nicht. Teilen Sie Schwerpunkte und Reihenfolge mit allen, die danach entscheiden sollen. Prüfen Sie zudem in festen Abständen, zum Beispiel quartalsweise, ob die Reihenfolge noch stimmt. Märkte und Situationen verändern sich, Prioritäten dürfen das auch.


Wie das im Alltag aussehen kann


Angenommen, ein Unternehmen startet mit einer langen Liste von Vorhaben ins Jahr. Nach einigen Monaten ist fast alles in Bearbeitung und kaum etwas abgeschlossen. Dieselben drei Schlüsselpersonen sind überall eingebunden, und jede Woche wird neu verhandelt, was dringend ist.


Reduziert die Geschäftsleitung die Liste nun auf wenige Schwerpunkte, setzt die übrigen Vorhaben auf eine Nicht-jetzt-Liste, gibt jedem Schwerpunkt eine verantwortliche Person und teilt die Reihenfolge mit dem ganzen Team, verändert sich der Alltag. Die Arbeit wird nicht weniger. Sie wird aber gezielter und Ergebnisse werden sichtbar.


Was sich mit klaren Prioritäten verändert


Mitarbeitende wissen, woran sie sich orientieren können, auch wenn die Geschäftsleitung gerade nicht greifbar ist. Konflikte um Ressourcen lassen sich anhand der vereinbarten Reihenfolge lösen. Abstimmungen werden kürzer, weil der Massstab bekannt ist.


Für die Geschäftsleitung entsteht Raum. Sie muss weniger Einzelentscheidungen treffen und kann sich wieder stärker der Entwicklung des Unternehmens widmen.


Fazit: Ein starkes Jahr beginnt selten mit möglichst vielen Zielen. Es beginnt mit der Entscheidung, was wirklich zählt, was zuerst kommt und was warten darf.

Prioritäten setzen im Unternehmen ist deshalb weniger eine Frage der Planungstechnik als eine Führungsentscheidung. Wer sie bewusst trifft, verständlich teilt und regelmässig überprüft, gewinnt Zeit, Fokus und ein Team, das in dieselbe Richtung arbeitet.


Nächster Schritt

Wenn Sie bei der Planung für 2027 merken, dass die Liste länger ist als die verfügbaren Ressourcen, lohnt sich ein Blick von aussen. In unserer kostenlosen Strategieberatung schauen wir gemeinsam auf Ihre Vorhaben und zeigen auf, wo Sie Schwerpunkte setzen und Ihr Team entlasten können.


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